FASZINIERENDE AUSSTELLUNGEN IN LONDON: FRAUEN IM MITTELALTER UND DIE PRACHT DER MOGULN-DYNASTIE IN FESSELNDER BUCHKUNST

Was wäre das Leben ohne Kunst und Kultur? Weil wir beides genauso hochschätzen wie Sie, möchten wir mit Ihnen einige Eindrücke teilen, die wir in der Kunstmetropole London gesammelt haben, genauer bei zwei internationalen Ausstellungs-Highlights: Medieval Women in Their Own Words in der British Library und The Great Mughals: Art, Architecture and Opulence im V&A. Dabei konnten wir jeweils herausragende Buchkunst bestaunen, die ihresgleichen sucht.

Die vielfältigen Leben mittelalterlicher Frauen

Die vielbesprochene Ausstellung in der British Library räumt auf mit Klischeevorstellungen mittelalterlicher Frauen auf, indem sie diverse Text- und Bildzeugnisse versammelt, in denen eben jene Frauen auf die eine oder andere Weise meist selbst zu Wort kommen – sei es, da sie zum Beispiel selbst Autorinnen waren oder aber das betreffende Objekt in Auftrag gaben. Darunter sind etwa Werke von Christine de Pizan, das Stundenbuch der Johanna I. von Kastilien und Philipps des Schönen, der Luttrell-Psalter, aber auch die Abhandlung über Heilpflanzen - Egerton 747.

Lohnarbeit war für die durchschnittliche mittelalterliche Frau der Standard

Wir erfahren von zielstrebigen Politikerinnen und fähigen Herrscherinnen, leidenschaftlichen Müttern, einflussreichen Visionärinnen und hochgebildeten Äbtissinnen. Es wird immer wieder hervorgehoben, dass Lohnarbeit für die durchschnittliche mittelalterliche Frau der Standard war und von Gesundheitsberufen, Feldarbeit, Textilproduktion und Sexarbeit über die Leitung von Werkstätten wie Druckereien und städtischen Schreibstuben hin zu Literatinnen und trobairitz (weibliche Troubadoure) reichte. Dabei war die gender pay gap allerdings genauso real wie heutzutage.

Frauen waren nicht nur aktiv am Lebensunterhalt ihrer Familien beteiligt, sondern nahmen darüber hinaus wertvolle Rollen in der Verwaltung der Haushalte, der Kindererziehung und der sozialen Gemeinschaft ein und leisteten damit zentrale, wenn auch meist unsichtbar gemachte Beiträge zum Bestehen und zur Veränderung mittelalterlicher Gesellschaften.

Opulente Pracht aus dem goldenen Zeitalter der Moguln

Gleichzeitig zeigt das V&A eine weiträumige Sonderausstellung zur Kunst unter der Moguln-Dynastie, die im 16. und 17. Jahrhundert Zentralasien beherrschte. In mehreren Etappen wird der Entstehung des charakteristischen Stils dieser Ära nachgespürt, der vor allem durch höfische Werkstätten etabliert wurde, die nicht nur kunstvollste Buchkunst wie das Hamza-Nama hervorbrachten, sondern auch weithin berühmt waren für Arbeiten aus diversen Materialien wie Textil, Holz, Schmiedewerk, Perlmutt, Edelsteine und Keramik.

Der Stil der Mogul-Zeit wurde von Hofkünstler*innen geprägt, die aus ganz Eurasien kamen

Unter der Herrschaft vor allem dreier Kaiser – Akbar, Jahangir und Shah Jahan – florierten Kunst und Kultur in einer Atmosphäre religiöser und ethnischer Toleranz. Während die Moguln muslimisch waren, war ein Großteil der Bevölkerung hinduistisch. Persisch war die anerkannte Sprache der Gelehrten, während in dem multiethnischen und -religiösen Reich im Alltag noch dutzende weitere Sprachen benutzt wurden. Die Zeit des relativen inneren Friedens führte zu einem ungeheuren Reichtum, dessen Glanz noch heute allen Exponaten innewohnt. Die prächtigen Objekten waren ohne Frage ein gelungener Abschluss unserer Reise!